Private BU für Ärzte trotz des berufsständischen Versorgungswerkes

Ärzte sollten trotz des berufsständischen Versorgungswerkes eine private BUI abschließen! Ärzte werden im Fall von Berufsunfähigkeit zwar vom Versorgungswerk ihrer Berufskammer geschützt, eine private Berufsunfähigkeitsversicherung macht aber dennoch Sinn. Denn das berufsständische Versorgungswerk leistet nur bei 100 % Berufsunfähigkeit, verweist also den Chirurgen, der durch ein plötzlich auftretendes körperliches Handicap nicht mehr operieren kann, per abstrakter Verweisung-Klausel auf eine andere ärztliche Tätigkeit.

Für einen dauerhaften Rentenbezug über das berufsständische Versorgungswerk müssen Ärzte zudem ihre Approbation zurückgeben. Die private Berufsunfähigkeitsversicherung leistet hingegen in allen Berufen ab einer Berufsunfähigkeit von etwa 50 % – je nach Vertragsbedingungen.

Entstehung der berufsständischen Versorgungswerke

Die Berufskammern mit ihrer langen, meist ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Tradition gibt es in Deutschland für mehrere Berufsstände, so für Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker, Psychotherapeuten, Architekten, Notare und Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sowie Ingenieure. Diese Berufe schufen sich ihre Berufskammern aus einem Sicherungsbedürfnis heraus, das ihrem sehr spezialisierten Berufsverständnis entspringt.

Auch das Versorgungswerk der Berufskammern ist auf die Bedürfnisse der entsprechenden Berufsgruppen zugeschnitten und leistet durchaus Hervorragendes. Durch die Organisation etwa der Ärzte in ihrer Berufskammer, der Ärztekammer, wird die vollständige Erfassung aller Mitglieder des Berufsstandes sichergestellt und eine Pflichtversicherung ermöglicht, die öffentlich-rechtlichen Charakter trägt. Die Berufskammer sorgt für den Solidarausgleich, was nur durch die Erfassung aller Ärzte möglich ist.

Schutz durch die Berufskammer der Ärzte

Es gibt in Deutschland 17 Ärztekammern, deren Satzungen über Ländergesetze Ermächtigungen dafür erhalten, dass Ärzte mit Berufsaufnahme Mitglieder in der Pflichtversicherung ihres Versorgungswerkes werden. Dabei wird jeder Arzt Mitglied der Berufskammer seines Kammerbezirkes und tritt in das angeschlossene Versorgungswerk ein. Dieser Automatismus wurde durch das Bundesverfassungsgericht bestätigt, er widerspricht nicht der Vereinigungs- und Handlungsfreiheit.

Als preiswerte Regelsicherung schützt das Versorgungswerk der Berufskammer die Ärzte vom Beginn ihrer Berufstätigkeit an, es gibt weder eine Gesundheitsprüfung noch eine Risikoselektion. Auch ein erweiterter Schutz über das Versorgungswerk ist über die sogenannte Versorgungsgestaltung möglich.

Absicherung durch die private Berufsunfähigkeitsversicherung

Bei all den vorbildlichen Regelungen über das Versorgungswerk der Berufskammern empfehlen  Verbraucherschützer trotzdem auchÄrzten und anderen verkammerten Berufen eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Ärzte können durch die private BU auch eine Teilrente bekommen und so die Arbeitszeit gesundheitsschonend reduzieren.Man solle die Klauseln im Versorgungswerk der Berufskammer prüfen, darauf weist beispielsweise die Verbraucherzentrale NRW hin. Vor allem ab wie viel Prozent Berufsunfähigkeit das Versorgungswerk tatsächlich zahlt, ist für Ärzte wichtig.

Sollten sie tatsächlich aufgrund einer Berufsunfähigkeit eine dauerhafte Vollrente über ihr Versorgungswerk benötigen, müssen sie zudem die Approbation zurückgeben. Der Fall der absoluten Berufsunfähigkeit tritt jedoch bei Ärzten eher selten ein, eine Teilverrentung ist viel wahrscheinlicher. Gefürchtete psychische Erkrankungen wie der Burn-Out treffen auch und gerade Ärzte mit ihrer enormen Arbeitsbelastung, hier würde eine Teilrente genügen, damit ein Chirurg in seinem angestammten Beruf weiterarbeiten kann – nur nicht mehr in Vollzeit.

Diese Teilrente kann (nur) die private Berufsunfähigkeitsversicherung leisten, die als Klausel freilich nicht die abstrakte Verweisung auf andere Tätigkeiten enthalten darf. In dieser Hinsicht ist der Anbietervergleich gefragt, damit Ärzte für sich die passende private Berufsunfähigkeitsversicherung finden, die dem eigenen Bedarf entspricht. Gute Anbieter einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung leisten bei über zwei Dritteln aller Leistungsanträge, dies kann ein Kriterium für den Abschluss der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung bei der entsprechenden Gesellschaft sein.

Gut zu wissen bei der Suche nach der perfekten BU

Ärzte sollen vor Abschluss der Police ermitteln, wie hoch die Lücke zu ihrem gegenwärtigen Verdienst ausfallen würde, zudem sind die Versicherungsbedingungen zu prüfen, die auf die speziellen Bedürfnisse von Ärzten zugeschnitten sein müssen. Schließlich zählt auch der Beitrag einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung im Verhältnis zur späteren Rente, der sich nach dem Alter des Arztes, bislang noch dem Geschlecht (ab 21.12.2012 nicht mehr durch die Unisex-Tarife), nach seinem Beruf selbst und einer Gesundheitsprüfung richtet.

Wenn auf Ärzte eine Berufsunfähigkeit zukommt, werden sie wie alle anderen Erwerbstätigen zunächst krankgeschrieben, sechs Wochen lang leistet bei angestellten Ärzten der Arbeitgeber, danach die Krankenversicherung (gesetzlich oder privat) – zwischenzeitlich wird die Berufsunfähigkeit festgestellt. Nun entscheidet sich, ob das Versorgungswerk einspringt oder eine private Berufsunfähigkeitsversicherung eine Rente zahlt – oder ob beides geschieht. Mit der BU-Police können Ärzte also im Fall einer Berufsunfähigkeit nichts falsch machen.