Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit

Viele Menschen verwenden die Begriffe Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit fast wie Synonyme, obgleich zwischen ihnen deutliche Unterschiede bestehen.

Insbesondere führt die bloße Berufsunfähigkeit nicht zur Zahlung einer staatlichen Erwerbsminderungsrente.

Definitionen: Erwerbsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit

Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit werden häufig fälschlicherweise für Synonyme gehalten. Berufsunfähig ist jeder Arbeitnehmer ebenso wie jeder andere Berufstätige, sobald er seinen eigenen, speziell versicherten Beruf nicht mehr ausüben kann. Hingegen gilt ein Mensch nur dann als erwerbsunfähig, wenn er auf Grund gesundheitlicher Beeinträchtigungen oder einer Behinderung keinerlei bezahlte Berufstätigkeit mehr durchführen kann.

Als Besonderheit besteht eine eingeschränkte Erwerbsunfähigkeit, wenn die täglich mögliche Arbeitszeit zwischen 3 und 6 Stunden beträgt. Von vollständiger Erwerbsunfähigkeit spricht man hingegen erst, wenn der Arbeitende aufgrund der Beeinträchtigung nicht mehr in der Lage ist, bis zu 3 Stunden täglich zu arbeiten.

Ergänzend existiert die Wegeunfähigkeit, wonach ein Arbeitnehmer auch als erwerbsunfähig gilt, wenn er den Weg zur Arbeitsstätte nicht mehr zurücklegen kann.

Was ist gesetzlich versichert?

Die gesetzliche Rentenversicherung versichert die Berufsunfähigkeit nur für Personen, welche vor dem 02.01.1962 geboren wurden, in allen anderen Fällen erhalten betroffene Menschen bei Berufsunfähigkeit keine Hilfe vom Staat.

Hingegen zahlt der Staat nur dann eine Erwerbsminderungsrente, wenn Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt wurden und der Versicherte vollständig oder eingeschränkt erwerbsunfähig ist. Selbständige beispielsweise sind nicht sozialversicherungspflichtig, zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein und haben deshalb außer in Ausnahmefällen niemals Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente.

Angesichts der geringen Höhe der Erwerbsminderungsrente, welche selbst bei voller Erwerbsunfähigkeit nicht mehr als 29 % des Lohnes oder Gehaltes beträgt, haben auch erwerbsunfähige Menschen oft das Gefühl, keine Hilfe vom Staat zu bekommen.

Private Vorsorge ist wichtig

Da bei bloßer Berufsunfähigkeit keine Hilfe vom Staat geleistet wird, ist der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung zwingend erforderlich. Diese Versicherung zahlt die vertraglich vereinbarte Rente, wenn die Berufsunfähigkeit des Versicherungsnehmers eintritt, er also seinen eigenen Beruf nicht mehr ausüben kann.

Durch die private Berufsunfähigkeitsversicherung wird der soziale Abstieg verhindert, welcher durch die Übernahme einer geringe Qualifikationen erfordernden Beschäftigung im Falle der Berufsunfähigkeit droht. Da die Erwerbsunfähigkeit immer mit einer Berufsunfähigkeit verbunden ist – wer gar nicht mehr zu arbeiten vermag, kann logischerweise auch seinen eigenen Beruf nicht ausüben – zahlt die private Berufsunfähigkeitsversicherung auch zusätzlich zu einer staatlichen Erwerbsminderungsrente und erhöht diese indirekt.

Nicht ganz richtig ist, dass es für die Abdeckung der Berufsunfähigkeit keine Hilfe vom Staat gibt, immerhin sind die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung als Vorsorgeaufwendungen von der Einkommenssteuer absetzbar. Tatsächlich kommt Berufsunfähigkeit deutlich häufiger als volle oder teilweise Erwerbsunfähigkeit vor, so dass ein entsprechender privater Versicherungsschutz unverzichtbar ist.